Lernen von den Airlines: Wie man Abstürze vermeidet

Einige schwere Flugunfälle und Abstürze der letzten Jahrzehnte gehen auf mangelhafte Führungs- und Teamarbeit der Cockpit-Crews zurück. Die Luftfahrtbranche hat darauf reagiert: Regelmäßige Trainings, die sich mit Kommunikation und Teamarbeit beschäftigen, sind für Piloten und Kopiloten heute verbindlich.

Wäre so ein Training nicht etwas für manche Vorgesetzten? Das kommt mir als Berater gleich in den Sinn. Denn auch in unserer wettbewerbsintensiven Wirtschaft – zumal im Mittelstand –  gibt es existenzielle Risiken: sei es durch Kundenverlust, Kündigung von Leistungs- und Know-How-Trägern oder existenzbedrohende Krisen.

Aber gehen wir noch einmal zu unserem Luftfahrtbeispiel. Teneriffa 1977: zwei Jumbojets stoßen auf der Startbahn des Flughafens zusammen, weil die Bedenken des Kopilots darüber, ob die andere Maschine die Piste schon verlassen hat und ob bereits eine Startfreigabe erteilt wurde, vom Kapitän abgewiesen wurde. 574 Tote. Immer wieder stellte man bei Flugunfalluntersuchungen fest, dass die Piloten zwar einwandfreie technische und fliegerische Fähigkeiten besaßen, aber die Zusammenarbeit zwischen dem Kapitän und dem rangniedrigeren Kopiloten mangelhaft war. 1979 wurde daher das sogenannte Crew Resource Management (CRM) entwickelt, welches für alle gewerblichen Piloten nun verbindlich ist und regelmäßig wiederholt werden muss.

Schauen wir uns doch mal einige CRM-Schulungsinhalte an, denn die sind doch recht aufschlussreich: Standardisieren von Verfahren um Fehler zu erkennen und zu vermeiden, effektive Kommunikation, Nutzung von Briefings, Team Konzept, situationsbewusstes handeln, Führungsqualitäten und deren Charakteristiken, rationaler und emotionaler Stress.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Uns auch. Das sind alles Themen, die viele Mitarbeiter und Führungskräfte in Unternehmen sehr bewegen. Manchmal stellen wir uns Berater die Frage, warum ein Unternehmen oder eine Abteilung trotz der Führung noch funktioniert, von Kommunikation nicht zu reden.

Wir denken, in der heutigen, dynamischen Wirtschaftswelt funktioniert hierarchische Führung nach der „alten Schule“ nicht mehr. Wirtschafts-Piloten müssen heute mit ihren Kopiloten als Führungsteam eng zusammenarbeiten, um erfolgreich zu sein und Abstürze zu vermeiden. Wichtig sind Lösungsorientierung, Wertschätzung, offene Kommunikation und Transparenz, Fehlerkultur, Fördern statt kontrollieren, um nur einige Themen zu nennen. Nebenbei sind solche Unternehmen auch viel attraktiver für ihre Mitarbeiter.

Aber noch etwas können wir von den Airlines lernen: Eine besondere Eigenart der Luftfahrtbranche ist die extrem hohe Verbindlichkeit bei der Umsetzung von Verbesserungen (Technik, Abläufe, Schulungen). Kurz: Kontinuierliche Verbesserung vom Feinsten.

Christian Tönne

Christian Tönne (Geschäftsführender Gesellschafter – toenne@ecco.de)

 

 

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Berichterstattung: Neue EU Richtlinie zu Nachhaltigkeitsberichterstattung fordert mehr Transparenz

Berichterstattung: Neue EU Richtlinie zu Nachhaltigkeitsberichterstattung fordert mehr Transparenz

Ende Februar 2014 haben sich die EU-Mitgliedsstaaten auf eine Berichtspflicht zur gesellschaftlichen Verantwortung („CSR-Richtlinie“) geeinigt. Im Rahmen ihrer jährlichen Rechnungslegung werden im öffentlichen Interesse stehende Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden dazu verpflichtet, ab 2017 eine sog. nichtfinanzielle Erklärung in den Lagebericht aufzunehmen. Ziel der CSR-Richtlinie ist es, die Relevanz, Konsistenz und Vergleichbarkeit offengelegter nichtfinanzieller Informationen zu erhöhen.

Fällt ein Unternehmen unter die Berichtspflicht, sind zu den Themen: Umwelt, soziale Belange, Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption Angaben zur jeweiligen Strategie, zu den erzielten Ergebnissen sowie zu den wesentlichen mit den Themen verbundenen Risiken zu machen. Verschiedene Experten weisen bereits jetzt darauf hin, das auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) von der Richtlinie „betroffen“ sein werden. So wird vermutet, dass die CSR-Richtlinie den Trend verstärken wird, dass entlang von Lieferketten Informationen zu CSR-Belangen auch von KMU angefordert werden, ohne dass diese der gesetzlichen CSR-Berichtspflicht unterliegen. In diesem Zusammenhang fordern verschiedene Verbände einen „akzeptierten, freiwilligen Berichtsstandard“ für solche Informationen.

Verweis auf Richtlinie: „Richtlinie 2014/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 zur Änderung der Richtlinie 2413/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Gruppen und Unternehmen.“, ABI. L 330/1 v. 15.11.2014

Karsten

Karsten Uphoff (Berater – uphoff@ecco.de)