Wie Führungskräfte lernen, mit ihren Mitarbeitern zu reden: Arbeitssicherheitsgespräche

Für viele Führungskräfte ist das Thema Arbeitssicherheit ungefähr so beliebt wie die Steuererklärung: das Thema ist aufwändig („Oh Gott: Gefährdungsbeurteilungen!“), kostet Zeit und nervt irgendwie. Ich muss zugeben, dass ich dagegen eine zunehmende Vorliebe für das Thema entwickle. Nicht wegen der manchmal anstrengenden Details („Wie hoch muss ein Geländer sein?“), sondern, weil die Umsetzung des Themas Arbeitsschutz eine Menge über das jeweilige Unternehmen verrät: zum Beispiel welche Rolle Verbindlichkeit in der Führungskultur spielt, wie ernst Führungskräfte ihren Führungsjob nehmen, wie loyal Führungskräfte und Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber sind (die Einhaltung unternehmensinterner Regeln ist eine Form der Loyalität) oder wie effizient Unternehmen mit administrativen Prozessen umgehen.

Tatsächlich habe ich vor einiger Zeit ein sehr großes Unternehmen kennengelernt, in dem es tatsächlich ein Programm „leadership through safety“ gibt. Interessanter Ansatz.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema „Kommunikation“. Wir beobachten öfter, dass vom Unternehmen das Engagement der Mitarbeiter zur Verbesserung des Arbeitsschutzes gefordert wird. Geht es dann in die tägliche Praxis sieht das Ganze aber manchmal ganz anders aus: ernst gemeinte Hinweise von Mitarbeitern zu unsicheren Situationen werden von den Führungskräften nicht ernst genommen: „die jammern immer“ oder die Mitarbeiter sollen gar nicht erst zu Arbeitsschutzthemen gefragt werden: „bitte keine Meckerstunde“. Dies führt zu folgenden Feststellungen: 1. Ohne eine respektvolle Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern bleibt der Arbeitsschutz eine rein formelle Veranstaltung und kommt niemals über ein bestimmtes Level hinaus. 2. Das grundsätzliche Verständnis über die Zusammenarbeit von Führungskräften und Mitarbeitern sollte einmal grundsätzlich hinterfragt werden.

Was kann man tun? Wir führen mit gutem Erfolg moderierte „Arbeitssicherheitsgespräche“ durch. Diese dienen dem primären Zweck, die Kommunikation zwischen Führungskräften und ihrem Team zu verbessern. Führungskräfte lernen Ihre Mitarbeiter und deren Sicht zu Arbeitsschutzthemen ernst zu nehmen. Mitarbeiter lernen, ihren Führungskräften zu vertrauen, weil diese sie ernst nehmen und Arbeitsschutzthemen verbindlich behandeln. Verbunden mit einem punktuellen Coaching der Führungskräfte wirken Arbeitssicherheitsgespräche so mittelfristig und nachhaltig.

 

Christian Tönne

Christian Tönne (Geschäftsführender Gesellschafter – toenne@ecco.de)

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Konstantin Siemer

„Als Unternehmer sind Sie für die Sicherheit Ihrer Mitarbeiter Konstantinverantwortlich und gesetzlich verpflichtet, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit in Ihrem Unternehmen zu beschäftigen. Erfolgreiches Arbeits- und Gesundheitsmanagement im Unternehmen verhindert Arbeitsunfälle, spart Personalkosten und verbessert das Betriebs- und Arbeitsklima!“

Seit Oktober unterstützt uns Konstantin Siemer, Fachkraft für Arbeitssicherheit, in verschiedenen Projekten im Bereich Arbeitsschutz. Wir heißen Konstantin Siemer, selbst auch Prüfer für die Sach- und Fachkunde für den gewerblichen Güterkraftverkehr bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, in unserem Team herzlich Willkommen.
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Moderner Arbeitsschutz – Schutz für die Seele

Sicherer Umgang mit Maschinen und schlagfestes Schutzequipment – das waren Zeiten, als Arbeitsschutz noch rein technisch und überschaubar war und sich an handfesten Maßnahmen orientierte. Der Ursprung ist in der Industrialisierung zu sehen und auch heute noch aktuell. Denn Unternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet zu analysieren, wo Arbeitnehmer potenziellen Gefahren ausgesetzt sind und müssen entsprechende Gegenmaßnahmen treffen.

Aber: Seit 2014 wird das Arbeitsschutzgesetz durch die Forderung nach der Beurteilung psychischer Belastungen komplettiert. Eine menschenwürdige Gestaltung des Arbeitsumfeldes rückt verstärkt in den Fokus: Dies betrifft Organisation und Struktur sowie den Umgang miteinander. Zudem ist die Grenze zwischen Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung nahezu nicht mehr existent, so dass der Erhalt der Gesundheit zu einem der Kernthemen des Arbeitsschutzes wird. Und immer mehr rücken psychisch bedingte Erkrankungen in den Vordergrund. So ist laut AOK Fehlzeiten Report 2013 die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 66% in den vergangenen 10 Jahren gestiegen. Moderner Arbeitsschutz lässt sich also nicht delegieren sondern ist elementares Führungsthema! Die Verschiebung der Kernthemen des Arbeitsschutzes äußert sich auch in der Vorgehensweise zur Einführung und Aufrechterhaltung eines Arbeitsschutzmanagements. Der systematische Umgang zur Reduzierung belastender Bedingungen ist Voraussetzung für den Erfolg und für eine gesunde Leistungskultur. Partizipation und Kommunikation rücken in den Vordergrund.

Katrin

Katrin Sulmann (Berater – sulmann@ecco.de)