Interview mit Bodo Janssen, Eigentümer und Geschäftsführer der Hotelkette Upstalsboom

Aufgrund der vernichtenden Ergebnisse einer Mitarbeiterumfrage, beschließt Bodo Janssen, grundlegende Veränderungen umzusetzen. Über zwei Jahre verbrachte er regelmäßig Zeit im Benediktinerkloster, um Pater Anselm Grün, und beschließt seine eigene Sichtweise über Mitarbeiterführung zu verändern und diese Erkenntnisse konsequent in seinem Unternehmen umzusetzen. Der Mitarbeiter und sein Wohlergehen stehen nun im Mittelpunkt auch unkonventioneller Führungsmaßnahmen. Mit durchschlagendem Erfolg: zufriedene Mitarbeiter und gute Unternehmenszahlen sprechen für sich. Daneben ist Bodo Janssen ein gefragter Redner und Interviewpartner der Medien geworden. Christian Tönne hat mit Bodo Janssen gesprochen.

 ecco: Warum glauben Sie, kommt man in das Nachrichtenmagazin SPIEGEL, wenn man sein Unternehmen mitarbeiterfreundlich führt?

Bodo Janssen: Tatsächlich scheint unsere Art, mit unseren Mitarbeitern umzugehen in Deutschland noch etwas Exotisches zu sein. Anders als in vielen Unternehmen ist bei uns der Mensch nicht ein Mittel zum Unternehmenserfolg. Wir sehen das genau andersherum: unser Unternehmen ist ein Mittel zum Erfolg der Menschen bei Upstalsboom. Das ist ein Paradigmenwechsel.

ecco: Sie sagen, dass Sie Wertschöpfung durch Wertschätzung schaffen. Funktioniert das wirklich?

Bodo Janssen: Unsere betriebswirtschaftlichen Zahlen haben sich stark verbessert. Manche Personen sagen, wir hätten trotz unserer Personalpolitik Erfolg. Wir sind überzeugt, dass es genau andersherum ist: Wir sind erfolgreich, weil wir sehr wertschätzend mit unseren Mitarbeitern umgehen. Entscheidend ist für uns, was unseren Mitarbeitern Freude macht. Wir zwängen unsere Mitarbeiter nicht mehr in Tätigkeitsschablonen oder Stellenbeschreibungen. Wir wollen unseren Mitarbeitern ein Spielfeld zur Entfaltung geben. Wir arbeiten daher nicht mehr hierarchieorientiert. Ziel ist es: in Zukunft in allen Häusern in selbstorganisierten Teams zu arbeiten.

ecco: Wie hoch schätzen Sie den Einfluss der Führungskultur auf die Gesundheit von Mitarbeitern ein?

Bodo Janssen: Ich glaube, die Art zu führen hat einen starken Einfluss auf die Gesundheit einer Belegschaft. Wir wollen gesunde Menschen in einem gesunden Unternehmen. Wir setzen auf Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter und dazu müssen wir bewusster führen. Was beim Mensch Körper und Geist sind, sind beim Unternehmen die Unternehmenskultur und -organisation. Sie müssen zusammen gestaltet werden. Unsere Zahlen stützen das: in Häusern mit den besten Ergebnissen bei Mitarbeiterbefragungen haben wir Krankenquoten unter ein Prozent und eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation. In Häusern mit schlechteren Ergebnissen sind diese Werte merklich höher!

ecco: Sie mussten ja Überzeugungsarbeit leisten. Wie haben Sie die Führungskräfte aus ihrer Komfortzone geholt?

Bodo Janssen: Wir haben unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zu Grenzerfahrungen gegeben: Sei es durch die Mitarbeit im Kinderhospiz, den Aufenthalt im Kloster oder durch Arbeit in Afrika. Wir nennen das die Tour des Lebens. So eine Grenzerfahrung verändert die Menschen und fördert die Reflektion. Darauf aufbauend gestalten wir die Veränderung. Vieles passiert jetzt bereits von selbst.

ecco: In Ihrem Unternehmen gibt es sogenannte „Corporate Happiness Beauftragte“. Was machen die?

Bodo Janssen: Dies sind Mitarbeiter, die ihre eigene Zufriedenheit und die ihrer Kollegen im Focus haben. Dabei konzentrieren sich diese Mitarbeiter auf die wissenschaftliche Seite von Glück und Zufriedenheit. Wir geben so Mitarbeitern, denen der meditative Focus im Kloster nicht so liegt, Gelegenheit ihren Beitrag zu leisten. Auf Basis neuester Erkenntnisse, zum Beispiel aus der Neurobiologie, entwickeln sie Methoden, mit denen Mitarbeiter an ihrer eigenen Zufriedenheit arbeiten können.

ecco: Wie hat sich Ihre Rolle in den letzten Jahren entwickelt?

Bodo Janssen: Vom Wegbereiter zum Wegbegleiter. Heute ist meine Führungsfunktion nicht mehr so wichtig. Ich bin heute eher Coach und Berater meiner Mitarbeiter. Ich beschäftige mich mittlerweile die meiste Zeit mit den Menschen bei Upstalsboom und nur noch wenig mit den klassischen betriebswirtschaftlichen Themen.

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Bodo Janssen, Unternehmer, Jahrgang 1974.

2007 übernimmt er die Leitung von Upstalsboom von seinem verstorbenen Vater. Er beschließt die Führungskultur radikal zu verändern. Der Erfolg des „Upstalsboom -Weges“ gibt ihm recht: Verdoppelung des Umsatzes und 40% mehr Ertrag in drei Jahren. Daneben ist er gefragter Redner, Interviewpartner und Buchautor.

 

Welche Führungskultur hat Ihr Unternehmen?

Man erkennt mit ein wenig Erfahrung doch sehr schnell, wie ein Unternehmen so tickt.

Daher haben wir auf unserem ecco-Strategiemeeting Ende September mal überlegt, was für Unternehmen wir in den letzten Jahren bei unserer Projektarbeit kennen gelernt haben.

Grob gesagt, konnten wir fünf unterschiedliche Führungskulturen identifizieren. Aber Achtung jetzt wird gnadenlos schwarz-weiß gemalt:

5 Typen von Führungskultur

 

  1. Die alte Schule: es besteht wenig Führungswissen und der Umgang mit den Mitarbeitern ist geprägt von viel Misstrauen und Kontrolle. Hier schreit man auch mal Mitarbeiter an. Alteingesessene mittelständische Industrie- und Handwerksbetriebe findet man oft in dieser Gruppe.
  2. Technokratisches Führungsverständnis: Führungsmethodiken sind bereits vorhanden werden aber ohne Überzeugung angewandt. Der Abteilungsleiter, hinter seinem Laptop sitzend, der seinen Mitarbeiter fragt, ob es ihn stören würde, wenn er beim Mitarbeitergespräch parallel weiterarbeitet, ist mir noch gut in Erinnerung. Diese Führungskultur haben wir oft in größeren, oft technisch geprägten Unternehmen und Konzernen Die Mitarbeiter-Unzufriedenheit ist hier generell sehr hoch.
  3. Die Gutwilligen: Wenig Methodik und Struktur aber ein zeitgemäßer Umgang mit den Menschen. Organisatorische Mängel und fehlende Effizienz werden in diesen Unternehmen durch überdurchschnittlichen Einsatz ausgeglichen. Das geht eine Zeit lang gut. Irgendwann zahlt das Unternehmen aber den Preis für die dauerhafte Überlastung. Gefährlich wird es, wenn ein solches Unternehmen schnell wächst. Dann geht die Produktivität schnell in den Keller. So etwas findet man oft bei Startups, universitätsnahen Unternehmen und solchen aus dem Kreativbereich.
  4. Die überorganisierten Bürokraten: irgendwie angstgetrieben, zeichnen sich solche Betriebe oft durch übertriebene und komplexe Strukturen und Regelungen sowie eine aufgesetzte Freundlichkeit aus. Fehlende Selbstständigkeit, Dynamik und Effizienz sind hier die Folge. Und damit auch ganz viel Frust bei den Mitarbeitern. Dies haben wir oft in öffentlichen, gemeinnützigen Unternehmen und Behörden erlebt.
  5. Das zeitgemäß geführte Unternehmen: Führungsmethodiken werden aus Überzeugung angewendet und regelmäßig hinterfragt. Das Menschenbild ist positiv. Mitarbeiter und Führungskräfte sehen sich als Gestalter ihrer Arbeitsbedingungen. Teams organisieren sich selbst. Hohe Zufriedenheit, Effizienz und Flexibilität. In Krisenzeiten ziehen die Mitarbeiter voll mit. Ehrlich gesagt: diese Unternehmen haben wir bisher erst selten kennen gelernt. Aber wenn, dann hat uns die Begeisterung oft angesteckt.

Natürlich ist die wirkliche Unternehmenswelt nicht so schwarz-weiß. Aber auf der anderen Seite fiel uns diese Typisierung auch nicht besonders schwer.

Klar ist aber damit auch, dass eine Weiterentwicklung der Führungskultur nicht in jedem Unternehmen auf die gleiche Weise erfolgen kann. Entscheidend ist die Ausgangssituation. Darauf müssen z.B. die Schulungsinhalte abgestimmt sein. Der Abteilungsleiter, der bei Mitarbeitergesprächen gerne parallel weiterarbeiten möchte, braucht sicher nicht das dritte Seminar zur Mitarbeitergesprächsmethodik. Er sollte sich aber vielleicht mal mit den Themen  Respekt und Wertschätzung auseinander setzen.Entsprechend differenziert haben wir bei ecco unsere Beratungsinhalte für Führungsthemen gestaltet. Wir wollen wirksame Verbesserungen. Daher schauen wir uns die Betriebe vorher genau an.

Was glauben Sie denn? In was für einem Unternehmen arbeiten Sie? 

„Liebe Leser, schon länger warten Sie vielleicht auf einen neuen Blogbeitrag. Leider hatte in den vergangenen Monaten die Projektbearbeitung zugunsten unserer Kunden absoluten Vorrang. Wir versprechen aber ab jetzt wieder regelmäßig für neue und interessante Beiträge zu sorgen! Die ecco-Blogredaktion“

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Christian Tönne (Geschäftsführender Gesellschafter – toenne@ecco.de)

KinderFÜHRUNG und MitarbeiterERZIEHUNG? Was wir vom Umgang mit den Kleinen für die Führung lernen können

„Mama ich habe drei Möglichkeiten, ich überlege noch welche die beste ist und sag Dir dann Bescheid“

Das höre ich regelmäßig von meiner Tochter. Sie ist nicht 16 sondern gerade mal vier Jahre alt. Als Mutter und Beraterin in Teilzeit erwische ich mich immer öfter, dass ich in Trainings und Projekten den Vergleich zur „Führung“ meiner Kinder ziehe.

Anerkennung, Motivation, die von Innen kommt, Reduzierung von extrinsischen Belohnungssystemen, gemeinsame Lösungssuche, Werte die durch vorleben vermittelt werden, Bewusstsein der Vorbildfunktion… spreche ich nun von Führung oder Erziehung? Suchen Sie es sich aus, denn letztendlich läuft es auf das gleiche hinaus.

Ach ja und dann ist da ja noch der berühmte Rahmen, der geschaffen werden muss, damit die Mitarbeiter äh Kinder einem Nicht-auf-der-Nase rumtanzen und wissen, wo Ihre Freiheiten und Grenzen sind. Ob Eltern oder Führungskraft, wir begleiten Persönlichkeiten auf ihrem Weg, unterstützen wo nötig, greifen ein wo notwendig.

Wenn Sie das nächste Mal einem Mitarbeiter Feedback geben, denken Sie an Ihre Kinder, die Ihnen stolz das selbstgemalte Bild mit dem Flugzeug zeigen. Sie nehmen ja auch nicht den Stift in die Hand und sagen: „Das soll ein Flugzeug sein, komm ich mal Dir mal ein richtiges!“

Wenn zwei Zwerge  von 3 und 4 Jahren sich streiten, werde ich mich hüten sofort einzugreifen und zu sagen: Ich regel das für euch! Wir machen das nun so und so!

Und wenn an manchen Tagen mal der Wurm drin ist, die Freunde im Kindergarten nicht so wollten, dann gibt es Verständnis und mehr Unterstützung! Und der Wurm verschwindet zum Glück wieder und wir starten durch!

 

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Katrin Sulmann – Projektleiterin – sulmann@ecco.de

Lean Office – Effizienz in Büro und Verwaltung als Erfolgsfaktor der Zukunft

Nirgendwo wird so viel Arbeitszeit verschwendet wie in den administrativen Bereichen deutscher Unternehmen. Erfahren Sie, warum das so ist und warum sich Firmen und Beratung mit der Optimierung schwer tun. Die Prinzipien des Lean Office weisen den Weg, die Produktivitätsreserven in unseren Büros zu heben.

Waste in The Office

 von Visually.

Die Lean Office Studie 2010 [1] des Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) schätzt das Ausmaß der Verschwendung in den „indirekten Bereichen“ der Industrieunternehmen weiterhin auf knapp 27% aller geleisteten Arbeitsstunden. Während unsere Produktionen mit ihren sichtbaren Werkstücken in den vergangenen Jahrzehnten vielen Optimierungswellen unterzogen wurden, blieb die Optimierung der Verwaltungen und Büros bisher ein weitgehend brachliegendes Entwicklungsfeld.

Woran liegt das? Zunächst gibt es historische Gründe. Im 20. Jahrhundert dominierten Produzenten, die versuchten, immer größere Stückzahlen mit immer niedrigeren Kosten zu produzieren. Die Jünger des Taylorismus zerlegten jede körperliche Arbeit in Einzelbewegungen, maßen und kombinierten sie nach Belieben. Industrielle Vorgabezeiten schafften den Eindruck der Messbarkeit und ingenieursmäßigen Optimierbarkeit der Arbeit. Bei klassischen Industrieunternehmen arbeiten 60 bis 70% aller Mitarbeiter in diesem sehr homogenen Arbeitsumfeld. Damit erschien die Optimierung der Produktion auch unter Priorisierungsgesichtspunkten deutlich vielversprechender als die der Vielzahl kleinerer Verwaltungsabteilungen, die für sich reklamieren konnten, sehr klein und außerdem ganz anders als die Produktion zu sein.

Und tatsächlich, wer schon einmal versucht hat, mit gängigen Methoden eine Verwaltungsabteilung zu optimieren, wird sich an die Schwierigkeit der Leistungsmessung oder Festlegung von Kennzahlen sowie die immense Aufgabenvielfalt erinnern. Und daran, wie schwer die Verschwendung dort zu greifen ist. Kein Wunder, denn Büroarbeit ist Denkarbeit. Zur Aufgabe gehören mehr Informationen, als auf einem Arbeitsplan Platz ist. Vieles muss mit Kollegen abgestimmt werden oder nacheinander mit diesen gemeinsam bearbeitet werden. Büroarbeit ist schlicht nicht sichtbar, ändert sich schneller als ein Produktzyklus in der Produktion und Arbeitsergebnisse können nicht bewertet werden, ohne sie zu lesen oder sich selber einzudenken. Die dafür erforderliche Zeit wird überwiegend von den kognitiven Fähigkeiten des Lesers bestimmt.

Damit ist klar, dass das ingenieursmäßige Zerlegen und optimierte Zusammenfügen körperlicher Bewegungen, das Verkürzen von Wegen oder Standardisieren von Prozessen bei der Optimierung von Denkarbeit notgedrungen an Grenzen stoßen muss. Und damit auch die aus der Produktionsoptimierung stammenden Lösungen etablierter Lean Beratungen wie 5S, Wertstromanalysen, Shop-Floor-Management oder Regelmeetings.

Aus diesen Gründen fristen die deutschen Bürokunden auf der Referenzliste großer Unternehmensberatungen immer noch ein Schattendasein. Das ist deshalb bedenklich, da im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung der Handlungsdruck stark gestiegen ist.

Die Bedeutung „indirekter Bereiche“ nimmt in deutschen Unternehmen stark zu – und bietet viel Potential zur Optimierung

In Zeiten der Vernetzung und online-Leistungsfeedbacks verbreiten unzufriedene Kunden in Windeseile ihre negativen Nachrichten. Fehler, schlechter Service oder Unfreundlichkeit verwandeln sich mit einem click in Todesurteile.

Noch wichtiger ist aber die weltweite Verlagerung von Wertschöpfungsanteilen. Während die Massenproduktion und administrative Routinetätigkeiten in Niedriglohnländer verlagert werden, verbleiben in Deutschland überwiegend Dienstleistungen und Arbeitsplätze, die viel Originalität, technisches und theoretisches Können und soziale Kompetenz voraussetzen. Damit werden Kreativität und Problemlösungskompetenz der Mitarbeiter in den Mittelpunkt unserer Arbeitswelt rücken.

Das bedeutet, dass die Arbeit mit Informationen bei uns zukünftig dominierend sein wird. Die bei Großunternehmen „indirekte Bereiche“ genannten Abteilungen werden ebenso zum Kern der Wertschöpfung, wie das von Natur aus bei Dienstleistungsunternehmen, Kanzleien, Arztpraxen und Handwerksbetrieben der Fall ist. Wer sich in der Zukunft von seinen lokalen oder weltweiten Wettbewerbern abheben will, muss sich dadurch Vorteile verschaffen, dass er die Verschwendung bei der Arbeit mit Informationen entschlossen reduziert.

Das Management von Verwaltungsaufgaben ist oft schlecht

Dabei wird die Optimierung zunehmend durch die Rahmenbedingungen unserer Zeit erschwert. Viele Unternehmen sind in Ihrer Suche nach Skaleneffekten so stark gewachsen, dass ein wahrer Ameisenhaufen an Fachabteilungen zu koordinieren ist. Mit zunehmender Entfernung zum Kunden sind bei vielen Mitarbeitern Unternehmertum und Kundenorientierung verschwunden.

Der hohe Koordinationsbedarf hat dazu geführt, dass viele Manager nicht mehr in der Lage sind, selber Kundenprobleme zu lösen. In großen Gesprächskreisen verhandeln sie darüber, welches die richtigen Entscheidungen sind, während ihre Mitarbeiter Arbeitsberge jonglieren, mit den kleinen Ärgernissen des Arbeitsalltags kämpfen und vielfach die innere Identifikation mit ihrer Arbeit verloren haben.

Gängige Managementpraktiken wie Planstellen oder Budgets haben die Kapazitätsanpassung bei Auftragsspitzen nahezu unmöglich gemacht. Rückstände, hohe Arbeitsbelastung, Hektik und Fehler sind die Folge.

Neue digitale Arbeitsmittel werden nicht optimal genutzt

Die Digitalisierung hat zugleich die Informationsverarbeitung beschleunigt und die Informationskanäle derart vervielfacht, dass viele Aufgaben gleichzeitig bearbeitet werden müssen und ständige Störungen an der Tagesordnung sind. Der Arbeitsalltag hat die klare Struktur verloren, die ihn früher ausgezeichnet hat. Hinzu kommt die zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Privatleben. Multitasking und gesunkenes Aufmerksamkeitsniveau sind die Folge, was wiederum Arbeitsfehler und Nachlässigkeiten befördert.

Neue Arbeitsmittel wie e-mail kamen über uns und niemand sagte uns, wie diese zu nutzen sind. Also legten wir einfach mal los und schickten unsere Rückfragen, Entscheidungsbedarfe oder Kritik mit einem Mausclick um die Welt, und um sicher zu gehen, dass wir auch eine Antwort erhalten, an möglichst viele Empfänger. Und so sind wir ein stückweit selber schuld an unserem überfüllten Mail-Eingang, dem beliebten e-mail-ping-pong und so manchem Streit mit den Kollegen.

Damit wird das Ausmaß der Aufgabenstellung erkennbar und die Dunkelziffer verschwendeter Arbeitsstunden geht vermutlich weit über die Schätzwerte der Studienteilnehmer des IPA hinaus. Es wird Zeit, sich der Optimierung der Arbeit mit Informationen in Büros und Verwaltungen zu stellen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen entscheidend zu stärken. Lean Office Beratung und die Übertragung bekannter Lean Prinzipien auf die Arbeitswelt der Wissensarbeiter wird hierbei einen entscheidenden Beitrag leisten können.

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Ingo Körner (Geschäftsführer / CFO Broetje-Automation)

[1] Lean Office 2010

Ingo Körner ist Diplom-Kaufmann, Executive MBA in Business Engineering HSG und Gastautor bei unserem Partnerunternehmen einfach.effizient. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung in Beratung, Maschinen- und Anlagenbau unter anderem als kaufmännischer Geschäftsführer

 

Sind Sie loyal?

Ich finde, es wird Zeit, einen etwas in Vergessenheit geratenen Begriff mal wieder hervorzuholen und etwas zu entstauben: „Loyalität“. Warum? Weil wir bei manchen Kunden Probleme bei der Umsetzung beobachten – geplante Veränderungen, Projekte, Leitbilder oder wichtige Regularien funktionieren nicht. Das hat viel mit dem (Nicht-)Verhalten von Führungskräften und Schlüsselmitarbeitern zu tun.

Und hier kommen wir zu unserem Begriff: Denn, wenn man aus solchen Situationen mal das Grundsätzliche destilliert, was beobachtet man dann? Mangelnde Loyalität. Mangelnde Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, dem Vorgesetzten, den Regularien und Standards des Unternehmens. Dies betrifft natürlich besonders die oben angesprochene Personengruppe. Ein zu hartes Urteil?

Es droht Glaubwürdigkeitsverlust

Vielleicht nicht, wenn man sich mal die Konsequenzen fehlender Loyalität anschaut. Vordergründig: Vorgaben werden nicht umgesetzt. Dies kann allein für sich schon kostspielig sein. Aber auch: die gesamte innnere Glaubwürdigkeit des Unternehmens oder der Abteilung wird nachhaltig beschädigt. Und dabei spielt es am Ende keine Rolle, ob die Führungskraft selbst Vorgaben nicht umsetzt oder es einfach nur zulässt, dass in ihrem Bereich Vorgaben nicht umgesetzt werden.

Das Problem: Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind knallharte Wirtschaftsfaktoren. Ein Projekt, das beispielsweise einmal nicht richtig umgesetzt wurde schadet zweifach: der beabsichtigte Nutzen kann nicht erschlossen werden und das Vertrauen in den Willen und die Fähigkeit solche Themen umzusetzen sind nachhaltig beschädigt. „Das hatten wir schon einmal, das hat damals auch nicht funktioniert“, hören wir dann oft von Mitarbeitern oder Führungskräften.

Auch von Mitarbeitern Loyalität einfordern

Menschen funktionieren nicht auf Knopfdruck. Veränderungen, wie neue Prozesse, oder Regelungen müssen vernünftig kommuniziert und umgesetzt werden. Aber auch die Adressaten sind in der Pflicht, das Gewollte loyal zu behandeln, auch, wenn es unangenehm ist. Eine loyale Führungskraft steht zu Ihren Themen und Aufgaben und vertritt sie mit Kraft und Glaubwürdigkeit.

Dies schließt auch die Zivilcourage ein, für die richtigen Lösungen und die notwendigen Ressourcen zu streiten sowie loyal zu den eigenen Mitarbeitern zu stehen. Wahrlich eine anspruchsvolle Aufgabe und manchmal ein Ritt auf der Rasierklinge. Vielleicht hilft dabei der Begriff „Loyalität“ ein wenig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf jeden Fall ist Loyalität ein Thema, dass man hin und wieder thematisieren und vor allem auch einfordern sollte.

Spannend zum Abschluss dabei auch ein Blick in das Online-Lexikon: „Loyalität bedeutet, im Interesse eines gemeinsamen höheren Zieles, die Werte (und Ideologie) des Anderen zu teilen und zu vertreten bzw. diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt, solange dies der Bewahrung des gemeinsam vertretenen höheren Zieles dient.“ Quelle: Wikipedia.

Christian Tönne

Christian Tönne

Wie Führungskräfte lernen, mit ihren Mitarbeitern zu reden: Arbeitssicherheitsgespräche

Für viele Führungskräfte ist das Thema Arbeitssicherheit ungefähr so beliebt wie die Steuererklärung: das Thema ist aufwändig („Oh Gott: Gefährdungsbeurteilungen!“), kostet Zeit und nervt irgendwie. Ich muss zugeben, dass ich dagegen eine zunehmende Vorliebe für das Thema entwickle. Nicht wegen der manchmal anstrengenden Details („Wie hoch muss ein Geländer sein?“), sondern, weil die Umsetzung des Themas Arbeitsschutz eine Menge über das jeweilige Unternehmen verrät: zum Beispiel welche Rolle Verbindlichkeit in der Führungskultur spielt, wie ernst Führungskräfte ihren Führungsjob nehmen, wie loyal Führungskräfte und Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber sind (die Einhaltung unternehmensinterner Regeln ist eine Form der Loyalität) oder wie effizient Unternehmen mit administrativen Prozessen umgehen.

Tatsächlich habe ich vor einiger Zeit ein sehr großes Unternehmen kennengelernt, in dem es tatsächlich ein Programm „leadership through safety“ gibt. Interessanter Ansatz.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema „Kommunikation“. Wir beobachten öfter, dass vom Unternehmen das Engagement der Mitarbeiter zur Verbesserung des Arbeitsschutzes gefordert wird. Geht es dann in die tägliche Praxis sieht das Ganze aber manchmal ganz anders aus: ernst gemeinte Hinweise von Mitarbeitern zu unsicheren Situationen werden von den Führungskräften nicht ernst genommen: „die jammern immer“ oder die Mitarbeiter sollen gar nicht erst zu Arbeitsschutzthemen gefragt werden: „bitte keine Meckerstunde“. Dies führt zu folgenden Feststellungen: 1. Ohne eine respektvolle Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern bleibt der Arbeitsschutz eine rein formelle Veranstaltung und kommt niemals über ein bestimmtes Level hinaus. 2. Das grundsätzliche Verständnis über die Zusammenarbeit von Führungskräften und Mitarbeitern sollte einmal grundsätzlich hinterfragt werden.

Was kann man tun? Wir führen mit gutem Erfolg moderierte „Arbeitssicherheitsgespräche“ durch. Diese dienen dem primären Zweck, die Kommunikation zwischen Führungskräften und ihrem Team zu verbessern. Führungskräfte lernen Ihre Mitarbeiter und deren Sicht zu Arbeitsschutzthemen ernst zu nehmen. Mitarbeiter lernen, ihren Führungskräften zu vertrauen, weil diese sie ernst nehmen und Arbeitsschutzthemen verbindlich behandeln. Verbunden mit einem punktuellen Coaching der Führungskräfte wirken Arbeitssicherheitsgespräche so mittelfristig und nachhaltig.

 

Christian Tönne

Christian Tönne (Geschäftsführender Gesellschafter – toenne@ecco.de)