Interview mit Bodo Janssen, Eigentümer und Geschäftsführer der Hotelkette Upstalsboom

Aufgrund der vernichtenden Ergebnisse einer Mitarbeiterumfrage, beschließt Bodo Janssen, grundlegende Veränderungen umzusetzen. Über zwei Jahre verbrachte er regelmäßig Zeit im Benediktinerkloster, um Pater Anselm Grün, und beschließt seine eigene Sichtweise über Mitarbeiterführung zu verändern und diese Erkenntnisse konsequent in seinem Unternehmen umzusetzen. Der Mitarbeiter und sein Wohlergehen stehen nun im Mittelpunkt auch unkonventioneller Führungsmaßnahmen. Mit durchschlagendem Erfolg: zufriedene Mitarbeiter und gute Unternehmenszahlen sprechen für sich. Daneben ist Bodo Janssen ein gefragter Redner und Interviewpartner der Medien geworden. Christian Tönne hat mit Bodo Janssen gesprochen.

 ecco: Warum glauben Sie, kommt man in das Nachrichtenmagazin SPIEGEL, wenn man sein Unternehmen mitarbeiterfreundlich führt?

Bodo Janssen: Tatsächlich scheint unsere Art, mit unseren Mitarbeitern umzugehen in Deutschland noch etwas Exotisches zu sein. Anders als in vielen Unternehmen ist bei uns der Mensch nicht ein Mittel zum Unternehmenserfolg. Wir sehen das genau andersherum: unser Unternehmen ist ein Mittel zum Erfolg der Menschen bei Upstalsboom. Das ist ein Paradigmenwechsel.

ecco: Sie sagen, dass Sie Wertschöpfung durch Wertschätzung schaffen. Funktioniert das wirklich?

Bodo Janssen: Unsere betriebswirtschaftlichen Zahlen haben sich stark verbessert. Manche Personen sagen, wir hätten trotz unserer Personalpolitik Erfolg. Wir sind überzeugt, dass es genau andersherum ist: Wir sind erfolgreich, weil wir sehr wertschätzend mit unseren Mitarbeitern umgehen. Entscheidend ist für uns, was unseren Mitarbeitern Freude macht. Wir zwängen unsere Mitarbeiter nicht mehr in Tätigkeitsschablonen oder Stellenbeschreibungen. Wir wollen unseren Mitarbeitern ein Spielfeld zur Entfaltung geben. Wir arbeiten daher nicht mehr hierarchieorientiert. Ziel ist es: in Zukunft in allen Häusern in selbstorganisierten Teams zu arbeiten.

ecco: Wie hoch schätzen Sie den Einfluss der Führungskultur auf die Gesundheit von Mitarbeitern ein?

Bodo Janssen: Ich glaube, die Art zu führen hat einen starken Einfluss auf die Gesundheit einer Belegschaft. Wir wollen gesunde Menschen in einem gesunden Unternehmen. Wir setzen auf Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter und dazu müssen wir bewusster führen. Was beim Mensch Körper und Geist sind, sind beim Unternehmen die Unternehmenskultur und -organisation. Sie müssen zusammen gestaltet werden. Unsere Zahlen stützen das: in Häusern mit den besten Ergebnissen bei Mitarbeiterbefragungen haben wir Krankenquoten unter ein Prozent und eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation. In Häusern mit schlechteren Ergebnissen sind diese Werte merklich höher!

ecco: Sie mussten ja Überzeugungsarbeit leisten. Wie haben Sie die Führungskräfte aus ihrer Komfortzone geholt?

Bodo Janssen: Wir haben unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zu Grenzerfahrungen gegeben: Sei es durch die Mitarbeit im Kinderhospiz, den Aufenthalt im Kloster oder durch Arbeit in Afrika. Wir nennen das die Tour des Lebens. So eine Grenzerfahrung verändert die Menschen und fördert die Reflektion. Darauf aufbauend gestalten wir die Veränderung. Vieles passiert jetzt bereits von selbst.

ecco: In Ihrem Unternehmen gibt es sogenannte „Corporate Happiness Beauftragte“. Was machen die?

Bodo Janssen: Dies sind Mitarbeiter, die ihre eigene Zufriedenheit und die ihrer Kollegen im Focus haben. Dabei konzentrieren sich diese Mitarbeiter auf die wissenschaftliche Seite von Glück und Zufriedenheit. Wir geben so Mitarbeitern, denen der meditative Focus im Kloster nicht so liegt, Gelegenheit ihren Beitrag zu leisten. Auf Basis neuester Erkenntnisse, zum Beispiel aus der Neurobiologie, entwickeln sie Methoden, mit denen Mitarbeiter an ihrer eigenen Zufriedenheit arbeiten können.

ecco: Wie hat sich Ihre Rolle in den letzten Jahren entwickelt?

Bodo Janssen: Vom Wegbereiter zum Wegbegleiter. Heute ist meine Führungsfunktion nicht mehr so wichtig. Ich bin heute eher Coach und Berater meiner Mitarbeiter. Ich beschäftige mich mittlerweile die meiste Zeit mit den Menschen bei Upstalsboom und nur noch wenig mit den klassischen betriebswirtschaftlichen Themen.

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Bodo Janssen, Unternehmer, Jahrgang 1974.

2007 übernimmt er die Leitung von Upstalsboom von seinem verstorbenen Vater. Er beschließt die Führungskultur radikal zu verändern. Der Erfolg des „Upstalsboom -Weges“ gibt ihm recht: Verdoppelung des Umsatzes und 40% mehr Ertrag in drei Jahren. Daneben ist er gefragter Redner, Interviewpartner und Buchautor.

 

Mit Sicherheit in die Zukunft!

Neues Förderprogramm übernimmt bis zu 80% der Beratungskosten!

Wie gut ist Ihr Unternehmen aufgestellt, um zukünftigen personellen Herausforderungen zu begegnen? Wo besteht Handlungsbedarf? Wie können Sie eine moderne, zukunftsfähige Personalpolitik für Ihr Unternehmen entwickeln? Welche konkreten Lösungen passen zu Ihnen? unternehmensWert:Mensch hilft Ihnen, diese Fragen zu beantworten. Wir haben mit Monika Kretschmer gesprochen. In der Erstberatungsstelle Oldenburg ist sie erste Ansprechpartnerin und lotst durch das Programm.

Wie kann unternehmensWert:Mensch unterstützen?

Gerade kleine und mittelständische Betriebe haben häufig geringe Ressourcen, um sich neben dem Alltagsgeschäft mit strategischen Fragestellungen zu beschäftigen. Oft kümmern sich die Inhaber alleine um die generellen Herausforderungen, haben häufig keine Personalabteilung, selten jemanden für die Personalentwicklung und sicher keine extra Abteilung für „Employer Branding“. Hier unterstützt unternehmensWert:Mensch: kurzfristig mit einem kostenlosen Erstberatungsgespräch, um den konkreten Handlungsbedarf in verschiedenen Felder zu eruieren und im weiteren Verlauf mit einem Förder-Zuschuss für eine externe Prozessberatung – für Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeiter/-innen 80% und 50% bei weniger als 250 Mitarbeiter/-innen. Die externe Beratung stellt somit Expertenwissen und eine zusätzliche Personalressource und entlastet den Unternehmer, die Prozesse selbst zu moderieren.

Wer steht hinter dem Programm und welche Ziele sind mit der Initiative verknüpft?

Gefördert wird unternehmensWert:Mensch durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds und steht im Zusammenhang mit der Fachkräfte-Offensive der Bundesregierung. In Niedersachsen hat die Demografieagentur für die niedersächsische Wirtschaft GmbH die alleinige Projektträgerschaft übertragen bekommen und die Erstberatungsstellen in Oldenburg, Osnabrück, Hannover, Göttingen und Lüneburg sind die ersten Anlaufstellen für KMUs in dem Prozess.

In der Erstberatungsstelle Oldenburg sind Sie Ansprechpartnerin und lotsen durch das Programm. Wie läuft die Beratung ab und wie geht es nach der Erstberatung weiter?

Unternehmen aus dem nordwestlichen Niedersachsen können sich an die Erstberatungsstelle in Oldenburg wenden. Telefonisch klären wir zunächst, ob die Förderkriterien passen. Im weiteren Verlauf geht es um mögliche Ziele, die durch eine Prozessberatung erreicht werden sollen. Aber auch Unternehmen, die noch keine Vorstellungen haben, sind eingeladen, sich über das Förderprogramm zu informieren. Erst dann wird festgelegt, wie viele Beratungstage notwendig sind, um das Thema gemeinsam mit den Mitarbeitern und dem externen Prozessberater zu bearbeiten. Dabei wird auf die individuellen Belange des Unternehmers Rücksicht genommen, was Zeit- und Finanzaufwand angeht.

Gibt es Einschränkungen hinsichtlich der Förderung?

Grundsätzlich steht die Beratung Unternehmen aller Branchen offen. Es werden maximal 10 Beratertage á 1.000,- gefördert und zwischen einer letzten Beratung (z.B. in der Modellphase) und einer neuen Beratung müssen zwei Jahre liegen. Ausgeschlossen sind Unternehmen aus der landwirtschaftlichen Primärerzeugung und Fischerei und Unternehmensberatungen, die selber in diesen Feldern aktiv sind, sowie Unternehmen, an denen die öffentliche Hand mit mehr als 25 % beteiligt ist. Außerdem muss das Unternehmen seit zwei Jahren am Markt sein und mindestens einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und den Dienstsitz in Deutschland haben. Der Jahresumsatz muss unter 50 Mio. liegen oder die Jahresbilanzsumme unter 43 Mio. . In Abhängigkeit der Unternehmensgröße werden 50 % oder sogar 80 % der Beratungskosten übernommen.

Katrin

Katrin Sulmann (Berater – sulmann@ecco.de)