Welche Führungskultur hat Ihr Unternehmen?

Man erkennt mit ein wenig Erfahrung doch sehr schnell, wie ein Unternehmen so tickt.

Daher haben wir auf unserem ecco-Strategiemeeting Ende September mal überlegt, was für Unternehmen wir in den letzten Jahren bei unserer Projektarbeit kennen gelernt haben.

Grob gesagt, konnten wir fünf unterschiedliche Führungskulturen identifizieren. Aber Achtung jetzt wird gnadenlos schwarz-weiß gemalt:

5 Typen von Führungskultur

 

  1. Die alte Schule: es besteht wenig Führungswissen und der Umgang mit den Mitarbeitern ist geprägt von viel Misstrauen und Kontrolle. Hier schreit man auch mal Mitarbeiter an. Alteingesessene mittelständische Industrie- und Handwerksbetriebe findet man oft in dieser Gruppe.
  2. Technokratisches Führungsverständnis: Führungsmethodiken sind bereits vorhanden werden aber ohne Überzeugung angewandt. Der Abteilungsleiter, hinter seinem Laptop sitzend, der seinen Mitarbeiter fragt, ob es ihn stören würde, wenn er beim Mitarbeitergespräch parallel weiterarbeitet, ist mir noch gut in Erinnerung. Diese Führungskultur haben wir oft in größeren, oft technisch geprägten Unternehmen und Konzernen Die Mitarbeiter-Unzufriedenheit ist hier generell sehr hoch.
  3. Die Gutwilligen: Wenig Methodik und Struktur aber ein zeitgemäßer Umgang mit den Menschen. Organisatorische Mängel und fehlende Effizienz werden in diesen Unternehmen durch überdurchschnittlichen Einsatz ausgeglichen. Das geht eine Zeit lang gut. Irgendwann zahlt das Unternehmen aber den Preis für die dauerhafte Überlastung. Gefährlich wird es, wenn ein solches Unternehmen schnell wächst. Dann geht die Produktivität schnell in den Keller. So etwas findet man oft bei Startups, universitätsnahen Unternehmen und solchen aus dem Kreativbereich.
  4. Die überorganisierten Bürokraten: irgendwie angstgetrieben, zeichnen sich solche Betriebe oft durch übertriebene und komplexe Strukturen und Regelungen sowie eine aufgesetzte Freundlichkeit aus. Fehlende Selbstständigkeit, Dynamik und Effizienz sind hier die Folge. Und damit auch ganz viel Frust bei den Mitarbeitern. Dies haben wir oft in öffentlichen, gemeinnützigen Unternehmen und Behörden erlebt.
  5. Das zeitgemäß geführte Unternehmen: Führungsmethodiken werden aus Überzeugung angewendet und regelmäßig hinterfragt. Das Menschenbild ist positiv. Mitarbeiter und Führungskräfte sehen sich als Gestalter ihrer Arbeitsbedingungen. Teams organisieren sich selbst. Hohe Zufriedenheit, Effizienz und Flexibilität. In Krisenzeiten ziehen die Mitarbeiter voll mit. Ehrlich gesagt: diese Unternehmen haben wir bisher erst selten kennen gelernt. Aber wenn, dann hat uns die Begeisterung oft angesteckt.

Natürlich ist die wirkliche Unternehmenswelt nicht so schwarz-weiß. Aber auf der anderen Seite fiel uns diese Typisierung auch nicht besonders schwer.

Klar ist aber damit auch, dass eine Weiterentwicklung der Führungskultur nicht in jedem Unternehmen auf die gleiche Weise erfolgen kann. Entscheidend ist die Ausgangssituation. Darauf müssen z.B. die Schulungsinhalte abgestimmt sein. Der Abteilungsleiter, der bei Mitarbeitergesprächen gerne parallel weiterarbeiten möchte, braucht sicher nicht das dritte Seminar zur Mitarbeitergesprächsmethodik. Er sollte sich aber vielleicht mal mit den Themen  Respekt und Wertschätzung auseinander setzen.Entsprechend differenziert haben wir bei ecco unsere Beratungsinhalte für Führungsthemen gestaltet. Wir wollen wirksame Verbesserungen. Daher schauen wir uns die Betriebe vorher genau an.

Was glauben Sie denn? In was für einem Unternehmen arbeiten Sie? 

„Liebe Leser, schon länger warten Sie vielleicht auf einen neuen Blogbeitrag. Leider hatte in den vergangenen Monaten die Projektbearbeitung zugunsten unserer Kunden absoluten Vorrang. Wir versprechen aber ab jetzt wieder regelmäßig für neue und interessante Beiträge zu sorgen! Die ecco-Blogredaktion“

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Christian Tönne (Geschäftsführender Gesellschafter – toenne@ecco.de)

Wie Führungskräfte lernen, mit ihren Mitarbeitern zu reden: Arbeitssicherheitsgespräche

Für viele Führungskräfte ist das Thema Arbeitssicherheit ungefähr so beliebt wie die Steuererklärung: das Thema ist aufwändig („Oh Gott: Gefährdungsbeurteilungen!“), kostet Zeit und nervt irgendwie. Ich muss zugeben, dass ich dagegen eine zunehmende Vorliebe für das Thema entwickle. Nicht wegen der manchmal anstrengenden Details („Wie hoch muss ein Geländer sein?“), sondern, weil die Umsetzung des Themas Arbeitsschutz eine Menge über das jeweilige Unternehmen verrät: zum Beispiel welche Rolle Verbindlichkeit in der Führungskultur spielt, wie ernst Führungskräfte ihren Führungsjob nehmen, wie loyal Führungskräfte und Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber sind (die Einhaltung unternehmensinterner Regeln ist eine Form der Loyalität) oder wie effizient Unternehmen mit administrativen Prozessen umgehen.

Tatsächlich habe ich vor einiger Zeit ein sehr großes Unternehmen kennengelernt, in dem es tatsächlich ein Programm „leadership through safety“ gibt. Interessanter Ansatz.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema „Kommunikation“. Wir beobachten öfter, dass vom Unternehmen das Engagement der Mitarbeiter zur Verbesserung des Arbeitsschutzes gefordert wird. Geht es dann in die tägliche Praxis sieht das Ganze aber manchmal ganz anders aus: ernst gemeinte Hinweise von Mitarbeitern zu unsicheren Situationen werden von den Führungskräften nicht ernst genommen: „die jammern immer“ oder die Mitarbeiter sollen gar nicht erst zu Arbeitsschutzthemen gefragt werden: „bitte keine Meckerstunde“. Dies führt zu folgenden Feststellungen: 1. Ohne eine respektvolle Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern bleibt der Arbeitsschutz eine rein formelle Veranstaltung und kommt niemals über ein bestimmtes Level hinaus. 2. Das grundsätzliche Verständnis über die Zusammenarbeit von Führungskräften und Mitarbeitern sollte einmal grundsätzlich hinterfragt werden.

Was kann man tun? Wir führen mit gutem Erfolg moderierte „Arbeitssicherheitsgespräche“ durch. Diese dienen dem primären Zweck, die Kommunikation zwischen Führungskräften und ihrem Team zu verbessern. Führungskräfte lernen Ihre Mitarbeiter und deren Sicht zu Arbeitsschutzthemen ernst zu nehmen. Mitarbeiter lernen, ihren Führungskräften zu vertrauen, weil diese sie ernst nehmen und Arbeitsschutzthemen verbindlich behandeln. Verbunden mit einem punktuellen Coaching der Führungskräfte wirken Arbeitssicherheitsgespräche so mittelfristig und nachhaltig.

 

Christian Tönne

Christian Tönne (Geschäftsführender Gesellschafter – toenne@ecco.de)